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Die Judomatte – wie ein zweites Zuhause

Wolfsburg Mariele und Theres Ludwig trainieren bis zu fünfmal pro Woche und haben schon erste internationale Erfolge.

Von Yvonne Nehlsen

Nein, es geht nicht ums Kämpfen. Es ist vielmehr die ganzheitliche Ertüchtigung von Körper und Geist, die die Zwillingsschwestern Mariele und Theres Ludwig so am Judo fasziniert. Die 15-Jährigen erklären: „Die Kombination verschiedener Techniken, das macht Judo so spannend.“

„Ich hab mir mal den Zeh umgeknickt, aber groß aussetzen musste ich noch nie.“
Mariele Ludwig, begeisterte Judoka.

Die beiden Judokas stehen seit ihrem fünften Lebensjahr regelmäßig auf der Matte. Ihre große Schwester hat damals die Begeisterung der Mädchen für die fernöstliche Kampfkunst entfacht. Mehr als 100 Jahre alt ist der Sport, der 1882 in Japan von Jigoro Kano entwickelt wurde. Aber altmodisch? Auf keinen Fall.

Geballte Mädchen-Power: Theres Ludwig (von links), Swea Schinzel, Lisa Lachetta, Giovanna Scoccimarro, Anna Lachetta und Mariele Ludwig sind die...
Foto: regios24/Sebastian Priebe

Während andere asiatische Trend-Kampfsportarten so schnell verschwinden, wie sie angesagt sind, ist Judo ein Dauerbrenner. Seit den Olympischen Spielen von 1964 ist die Disziplin olympisch – und auch wenn eine Goldmedaille dort nicht das erklärte Ziel der Zwillingsschwestern ist, trainieren sie doch mit großem Ehrgeiz und haben auch schon erste internationale Erfolge erzielt.

Vier- bis fünfmal in der Woche messen sich Theres und Mariele in der Sporthalle des MTV Vorsfelde eineinhalb Stunden lang mit anderen Judokas. „Ich fühle mich im Verein sehr wohl. Denn der Zusammenhalt in der Gruppe ist etwas ganz Besonderes“, schwärmt Mariele. Denn man trainiert nicht nur gemeinsam – wobei gerade beim Ausprobieren von Griffen, Würfen und Hebeln gegenseitiges Vertrauen und Rücksichtnahme extrem wichtig sind – es entstehen auch Freundschaften unter den Judokas.

Und der Sport? „Der macht riesigen Spaß“, betont Theres. Die Judomatte ist für die beiden fast so etwas wie ein zweites Zuhause. Man sieht ihnen die Begeisterung förmlich an, wenn sie Haltung annehmen in ihren Judo-Anzügen bestehend aus blauer Jacke und blauer Hose, in Fachkreisen Judogi genannt. Zusammengehalten wird dieses Ensemble von einem Gürtel, dessen Farbe über den Grad – die Kampfkunstfertigkeit – des Judoka Auskunft gibt. Mariele und Theres tragen den braunen Gürtel. „Als Nächstes kommt der schwarze Gürtel, der erste Meistergrad“, erklärt Mariele. Aber bis sie den bekommen, dauert es noch ein wenig: Die Prüfung dürfen die Zwillingsschwestern erst mit 18 Jahren ablegen.

Bis dahin feilen sie weiter an der Technik und stellen ihr Können regelmäßig bei Turnieren und in Wettbewerben unter Beweis. Lange Zeit waren sie sogar in der gleichen Gewichtsklasse und mussten gegeneinander antreten. „So ein Wettkampf ist anstrengend, aber ist auch jedes Mal eine tolle Erfahrung“ schildert Theres.

Verletzt haben sich die beiden in den ganzen Jahren noch nie – Kampfsport hin oder her. „Ich hab mir mal den Zeh umgeknickt, aber groß aussetzen musste ich noch nie“, erklärt Mariele und ihre Schwester nickt. Was auch daran liegt, dass Fair Play beim Judo großgeschrieben wird.

Neben ihrer Mitgliedschaft im MTV Vorsfelde gehören die Schwestern dem Förderverein Niesa-Fighter an. Der nimmt ausschließlich Judomädchen zwischen zehn und 16 Jahren aus Judo-Gruppen in Niedersachsen auf. Die Mädchen trainieren dann gemeinsam für die deutschen Meisterschaften, verbessern im Trainingslager ihre Kondition, aber auch die taktische Finesse.

„Schön ist, dass wir als Niesa-Fighters nicht nur unsere Fertigkeiten trainieren, sondern auch eine verschworene Gemeinschaft sind“, sagt Theres. Und so gehen die Judokas mit Niesa-Fighters-Vorsitzenden Ina-Maria Schinzel auch zum Bowlen oder zum Wakeboarden: „Das hat Tradition bei uns“, berichtet die Chefin.

Tradition hat scheinbar auch, dass die Begeisterung fürs Judo bei Familie Ludwig von Schwester zu Schwestern weitergegeben wird. Auch die achtjährige Schwester von Mariele und Theres wirbelt inzwischen regelmäßig ihre Kontrahenten durch die Luft.