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Wolfsburger Allgemeine Zeitung, 28.02.2011
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Hip-Hop-Weltmeister Dinipiri "Junior" Collins Etebu trainiert mit den MTV Diamond Dancers.

Fotos (2): regios24/Helge Landmann

Wenn Füße und Hände wirbeln Hip-Hop-Weltmeister "Junior" Etebu gibt Vorsfeldes "Diamond Dancern" eine temporeiche Lektion im Tanzen

Von Markus Schulze

VORSFELDE. Heute sind "Funky Jazz", "Breakdance" und "New Style" die angesagten Tänze. Eine Mischung aus allem ist "Streetdance", zu deutsch: Straßentanz. Den Vorsfeldern zeigte am Samstag Hip-Hop-Weltmeister Dinipri Etebu, wieviel Spaß das macht.

Im Straßentanz, der auf Athletik und Beweglichkeit beruht und in dem akrobatische Einlagen nicht fehlen, kann den "Diamond Dancers" des Männerturnvereins Vorsfelde (MTV) kaum jemand etwas vormachen. Außer Etebu. Denn der 20-Jährige ist Weltmeister. Am Samstag feilte er mit der Formation an einer neuen Choreografie.

Meisterschaften im Sinn

MTV-Center, Carl-Grete-Straße 41, 13.30 Uhr: Noch ist das Fitness-Zentrum geschlossen, die Laufbänder und Hantelbänke sind verwaist. Überflüssige Pfunde werden hier abgespeckt oder Muskeln gestählt. Doch im zweiten Stock bereiten sich die "Diamond Dancer" auf den Bundesliga-Wettkampf im März und die Deutschen Meisterschaften im November vor. 2009 wurden die elf Mädels im Alter zwischen 13 und 24 Jahren in Hameln Norddeutscher Meister. Mit dabei ist Assistenz-Coach Marco Anacleto.

Doch dieser Triumph ist kein Ruhekissen. Im Gegenteil. "Wir wollen wieder was reißen", betont Trainerin Claudia Schembre. Darum schart die 29-Jährige die Mädchen drei Mal die Woche jeweils drei Stunden um sich. Externe Hilfe gibt Dinipiri Etebu. Sie lernte ihn während eines Lehrganges kennen. "Junior", wurde in Nigeria geboren, wuchs in Bremen auf. Dort lebt er noch, lässt sich zum Sportfachmann ausbilden. Im Oktober setzte er sich in Bochum gegen 106 Konkurrenten durch.

"Tanzen ist meine Droge"

Der Übungsraum wirkt so groß wie ein Tennisplatz. Die Wände sind weiß, der Fußboden blau. Auf einer Seite schimmert das Sonnenlicht durch eine große Glasfront. Auf der anderen Seite prangt ein gewaltiger Spiegel. Davor steht "Junior". Er ist dunkelhäutig, gertenschlank, etwa 1,80 Meter groß, trägt schwarze Sneakers, eine grau-schlabberige Jogginghose und ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift "Dancing is My drug (Tanzen ist meine Droge)".

"Tanzen", so bestätigt er, "ist meine Liebe, meine Leidenschaft, mein Ein und Alles. Ich tanze in der S-Bahn, unter der Dusche, überall." Inspiriert dazu habe ihn einst das amerikanische Rap-Duo Kriskross. Damals war "Junior" gerade mal vier Jahre alt. Seither lässt ihn Hip-Hop nicht mehr los.

"Junior" gibt Kommandos, meist auf Englisch, meist so: "One, two, three, four." Seine Schülerinnen machen es nach. "Five, six, seven, eight." Zunächst in Zeitlupe, dann in atemberaubender Geschwindigkeit. "Ah, ah, ah, ah." Füße und Hände wirbeln wie wild durch die Luft, Hüften und Köpfe kreisen scheinbar um 360 Grad. Jede Geste, jeder Schritt erfolgt synchron. Meist zumindest. Wenn nicht, werden die Schritte wiederholt. Immer und immer wieder. "Das machen wir noch mal", sagt "Junior". "Bis es sitzt." Erst dann wird die Abfolge mit Musik getanzt.

Schleichen wie Löwinnen

"Im Wettkampf dauert die Choreographie maximal drei Minuten", erklärt Schembre - und aktiviert die Stereoanlage. Aus einem riesigen Lautsprecher wummern ohrenbetäubende Bässe durch die Halle - und die begeisterten Akteure legen los. Sie schleichen wie Löwinnen nach vorne, vollziehen einen Luftsprung mit halber Drehung und kehren zur Ausgangsposition zurück. Dabei werden Arme und Oberkörper ebenso elegant wie kraftvoll nach vorne gepeitscht und zurück geprescht.

"Das ist ganz schön anstrengend", keucht Christine Rausch, mit 13 Jahren das Nesthäkchen. Die gute Laune kann ihr die 180-minütige Einheit aber nicht verderben.

Überhaupt haben alle ein Lächeln auf den Lippen. Trotz der Mühen. Der Grund ist klar: "Das macht soooo viel Spaß", schwärmt die 18-jährige Kerstin Allegrino in einer Pause. "Und Junior ist soooo cool." Die 22-jährige Mary Calanni stimmt zu: "Hey, der Typ ist Weltmeister. Allein das ist voll inspirierend." Und "Junior"? -Der gibt das Lob gerne zurück: "Ihr habt echt Talent", schmeichelt er.

Abschließend, vor einer Autogrammstunde, zu der sich Dutzende Fans versammelt haben, gesteht er noch: "Ich kann keinen Walzer."

Dinipiri "Junior" Collins Etebu.

Wolfsburger Nachrichten: 28. Februar 2011, Wolfsburg Lokales, Seite 13