Erlösende Nachricht kam am gestrigen Dienstag – Zweikampf mit Butkereit gewonnen – „Ich freue mich riesig“

Von Benno Seelhöfer
Olympia-Ticket gelöst: Judo-Ass Giovanna Scoccimarro ist sicher in Tokio dabei!Fotos: IJF / dpa

Wolfsburg. Endlich Gewissheit! Endlich ist das Zittern vorbei! Giovanna Scoccimarro behält ihr Ticket für die Olympischen Spiele und bleibt Teil des 13-köpfigen Aufgebots, das der Deutsche Judo-Bund (DJB) nach Tokio schickt. Vom 23. Juli bis zum 8. August gehen die Kampfsportler um die Athletin des MTV Vorsfelde dann auf Medaillen-Jagd. „Ich freue mich riesig, ich bin super glücklich“, sagt Scoccimarro mit einem Leuchten in den Augen, nachdem die Entscheidung am Dienstagnachmittag bekannt gegeben wurde.

Für die Lessienerin wurde die Olympia-Quali zur wahren Zitterpartie: Bevor die Spiele im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben wurden, hatte sie ihr Ticket bereits sicher. Musste sich dann aber erneut in einem engen Rennen gegen ihre nationale Konkurrentin Miriam Butkereit beweisen. Umso größer ist nun die Erleichterung bei ihr. Auch, weil sie jüngst bei der WM in Budapest nicht ihren besten Auftritt hingelegt hatte.

„Ich bin sehr froh, dass der Bundestrainer Claudiu Pusa sich trotz meines Fauxpas’ bei der WM für mich entschieden hat. Das war ein enges Duell mit Miri“, sagt die Lessienerin. Die Zeit, die Warterei, das Bangen seien „sehr stressig“ gewesen, gibt sie einen Einblick in ihre Gefühlswelt. „Gerade die WM gibt noch mal extrem viele Punkte. Deshalb war der letzte Donnerstag die Hölle für mich. Ich hatte das Gefühl, mein Olympia-Ticket aus der Hand gegeben zu haben.“ In Budapest scheiterte Scoccimarro in einem dramatischen Kampf im Achtelfinale. Butkereit hingegen kämpfte um die Bronzemedaille, verlor das kleine Finale aber deutlich.

Doch diese Anspannung ist nun verflogen, auch wenn der Dienstag noch immer ein wenig stressig war. „Ich habe schon sehr viel telefoniert“, sagt das Judo-Ass nach der Nominierung. „Es haben sich schon sehr viele bei mir gemeldet, das freut mich natürlich sehr!“ Jetzt folgen noch weitere angenehme Termine, ganz ohne den Quali-Druck. „Am Samstag fahren wir zur offiziellen Einkleidung für die Spiele nach Hamburg, am Sonntag sind wir für ein Trainingslager nach Papendal in den Niederlanden. Und Anfang Juli werden wir noch mal ein Trainingslager in Kienbaum haben“, zählt Scoccimarro auf. Wann genau es nach Tokio geht, weiß sie zwar noch nicht, aber das ist auch erst mal egal. Das viel wichtigere Ob ist endlich geklärt.

Das Einzige, das der Athletin jetzt wieder einen Strich durch die Rechnung machen könnte, wäre erneut das Corona-Virus. Aber da gibt sich Scoccimarro entspannt, glaubt nicht an einen Olympia-Fluch. „Die Olympischen Spiele sind ja schon in fünf Wochen, das wäre eine sehr kurzfristige Absage. Deshalb bleibe ich – was das angeht – sehr optimistisch.“ Und beruhigt nach Tokio reisen können die deutschen Athleten und Athletinnen ohnehin, denn alle, die für das Tokio-Ticket schon vor einiger Zeit infrage kamen, sich durchgeimpft.

Wolfsburger Allgemeine, Seite 35, 16.06.2021