2021 ist ein ereignisreiches Jahr für Giovanna Scoccimarro gewesen – ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Über allem steht: Das Judo-Ass feiert Olympia-Bronze im Team und den erster Masters-Sieg. Dafür ist sie nominiert bei der NP-Sportlerwahl.

Giovanna Scoccimarro, Bild: Judo Gallery

Hannover

Das Leben im Allgemeinen und insbesondere das Leben von Sportlern ist ein ständiges Auf und Ab. Mit schönen und weniger schönen Momenten. Mit Erfolgen und Misserfolgen. Das Jahr 2021 war für Giovanna Scoccimarro ein Jahr, an das sie sich gern zurückerinnern wird: „Ich würde es so beschreiben: Es gab Höhen und Tiefen. Mit einem guten Anfang und einem guten Abschluss.“ Und über allem steht ihre erste olympische Medaille.

Seit 18 Jahren betritt Scoccimarro die Judomatte, das laufende Jahr begann für die 24-Jährige im Januar mit ihrem bis dahin größten sportlichen Erfolg: Platz drei beim Masters in Doha. Gefolgt von zwei Tiefschlägen: dem frühen Aus beim Grand-Slam-Turnier in Tel Aviv und, noch bitterer, dem Achtelfinal-Aus bei der WM im Juni in Budapest. Danach musste Scoccimarro um ihr Olympiaticket bangen. Vier Tage später kam der erlösende Anruf: Sie besetzt in Tokio die Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm für den Deutschen Judo-Bund.

Bei ihren ersten Olympischen Spielen braucht Scoccimarro keine große Anlaufzeit. Mit Erfolgen über die Venezolanerin Elvismar Rodriguez sowie die Australierin Aoife Coughlan sichert sie sich den Einzug ins Poolfinale. Dort verliert sie zwar gegen die spätere Goldmedaillengewinnerin Chizuru Arai (Japan), darf aber dennoch nach dem Trostrundensieg gegen die Griechin Elisavet Teltsidou noch von Bronze träumen. Dann folgte der Kampf, an den Scoccimarro noch oft zurückdenken wird.

Nach 7:44 Minuten in der Verlängerung warf die Niederländerin Sanne van Dijke ihre Kontrahentin auf die Matte und sicherte sich Edelmetall. „Der fünfte Platz bei Olympia ist kein Tief“, sagt Scoccimarro und ist auch ein halbes Jahr danach noch hin- und hergerissen. „Klar, in dem Moment schon, weil es einfach eine große Enttäuschung ist.“ Nur vier Tage später folgte mit Bronze im Mixed-Wettbewerb zusammen mit ihrem hannoverschen Trainingspartner Igor Wandtke der versöhnliche Abschluss. Auf jedes Tief folgt eben früher oder später ein Hoch.

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Nach der Rückkehr aus Japan gönnte sich die Kauffrau für Büromanagement bei Volkswagen Nutzfahrzeuge in Stöcken nur eine kurze Auszeit. Seit September steht sie Tag für Tag wieder um 8 Uhr im Kraftraum, gefolgt von fünf Stunden Arbeit und der zweiten Einheit des Tages. „Ich bin eher der faule Typ, der ohne Frühstück aus dem Haus geht, damit er länger schlafen kann. Ein bisschen Wasser reicht mir“, erzählt die 24-Jährige. Der Lohn ließ auch diesmal mit dem ersten Grand-Slam-Sieg Ende November in Abu Dhabi nicht lange auf sich warten.

Giovanna Scoccimarro blickt zufrieden auf das Jahr 2021 zurück – und will in der Zukunft konstanter werden. Quelle: Florian Petrow

Auch bei der Frage nach dem, was sie antreibt, muss die Deutsch-Italienerin nicht lange nachdenken. „In erster Linie der Erfolg. Blöd gesagt, ist das ja wie eine Droge, die du immer wieder erleben willst. Ich liebe die Herausforderung, will mich testen, wie weit kann ich es wirklich schaffen, wie belastbar ist mein Körper.“

Und natürlich hat sie mit Olympia noch eine Rechnung offen, 2024 in Paris. „Ich will mich wieder qualifizieren und dann alles besser machen als 2021. Was heißt alles besser machen? Es war ja nicht alles schlecht. Ich will konstanter werden, konstanter unter die ersten sieben kommen.“

Weihnachten verbringt Scoccimarro bei ihren Eltern in Ehra-Lessien im Landkreis Gifhorn. Und wenn sie dann ein wenig zur Ruhe kommt, wird sie ihren folgenden Satz vielleicht auch fühlen. „Rückblickend kann man sagen, dass ich mit dem Jahr zufrieden sein kann und darf.“

Von Christoph Hage, Neue Presse Hannover