„Sechs bis acht Monate“ wird das Judo-Ass des MTV Vorsfelde nicht auf die Matte gehen können.

Von Daniel Hotop

Es passierte im Grand-Slam-Viertelfinale in Paris: Giovanna Scoccimarro hat sich im Duell das Kreuzband gerissen.                                               <b>M. Mayorova</b>                                              IJF.org/oh
Es passierte im Grand-Slam-Viertelfinale in Paris: Giovanna Scoccimarro hat sich im Duell das Kreuzband gerissen.  M. Mayorova IJF.org/oh

Vorsfelde Ist das bitter… Judo-Ass Giovanna Scoccimarro hat sich am Sonntag beim Grand Slam in Paris das Kreuzband im rechten Knie gerissen. Das ist das Ergebnis der MRT-Untersuchung, die die 24 Jahre alte Topsportlerin des MTV Vorsfelde am Dienstvormittag erhielt. Sie wird eine lange Wettkampf Pause einlegen müssen und zumindest den Auftakt der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 in Paris verpassen.

Eigentlich hatte 2022 ihr Jahr werden sollen. Nachdem sie im November in Abu Dhabi erstmals Gold bei einem Grand Slam holte und zuletzt in der Weltrangliste auf Platz 4 vorgerückt ist, hatte es sich das MTV-Ass auf die Fahne geschrieben, mehr Konstanz in ihre Wettkampfergebnisse zu bekommen. Der Startschuss sollte in Paris erfolgen, wo sie bei ihren zwei Teilnahmen zuvor jeweils früh rausflog.

Und am Sonntag hatte zunächst alles danach ausgesehen, dass das auch gelingen würde. Nach einem Freilos besiegte sie die Polin Katarzyna Soberajska, bekam es dann mit Kaila Issoufi (Frankreich) zu tun. Gleich zu Beginn des Duells passierte es bei einer Bodenaktion: Scoccimarro hörte ein Knacken, auch ihre Gegnerin schaute irritiert. Doch das MTV-Ass sammelte sich kurz, zeigte dem Schiedsrichter an, dass es weitergeht und sicherte sich im Golden Score sogar noch den Sieg.

Zum Halbfinale und auch zum Kampf um Bronze trat sie dann nicht mehr an. „Es wäre sicher mehr drin gewesen, aber der Schutz der Gesundheit der Sportler geht vor“, hatte Bundestrainer Claudiu Pusa gesagt. Im Nachhinein war’s die richtige Entscheidung. Denn Scoccimarro hat „nur“ einen Kreuzbandriss. „Muskulatur, Innen- und Außenbänder sind nicht betroffen.“ Und: „Wenn ich weitergemacht hätte, hätte noch mehr kaputtgehen können“, sagt die 24-Jährige, für die Platz 5 nach der Aufgabe immer noch das beste Paris-Ergebnis war.

Erstaunlich ist, wie positiv Scoccimarro mit ihrer ersten schweren Verletzung überhaupt umgeht. Trotz der Schock-Diagnose gibt sie sich tapfer: „Ich kann es nicht ändern und versuche, weiter positiv zu bleiben.“ Erst einmal hofft das MTV-Ass, schnell einen OP-Termin zu bekommen. Scoccimarro selbst rechnet mit einer Wettkampfpause von „sechs bis acht Monaten“. Die Weltmeisterschaften Anfang Oktober in Taschkent (Usbekistan) hat sie noch nicht ganz abgeschrieben, auch das Masters zum Jahresende hat sie im Blick.

Die U21-Weltmeisterin von 2017 und Bronzemedaillen-Gewinnerin im Team bei Olympia in Tokio – im Einzel hatte sie Bronze knapp verpasst, wurde Fünfte – kann sogar schon den Zeitpunkt dieser schweren Knieverletzung positiv einordnen: „Es ist einer der besten Zeiträume.“ Denn: Im Juni beginnt mit dem Grand Slam in Ulaanbaatar (Mongolei) erst der Qualifikationszyklus für die Olympischen Spiele 2024. Den verpasst sie zwar, aber nach ihrer Rückkehr sollte sie noch genügend Gelegenheiten bekommen, um die nötigen Weltranglisten-Punkte einzufahren.

Im Augenblick wichtig: Ihr Umfeld stützt die 24-Jährige. „Mein Trainer war viel für mich da, hat mich zu den Untersuchungen gefahren“, so Scoccimarro über Stützpunkt-Coach Miguel Ogando-Lopes. Und weiter: „Ich habe viel Rückhalt.“ Jetzt ist dem Judo-Ass zu wünschen, dass die Reha gut verläuft und Scoccimarro schnell wieder sportliche Ziele verfolgen kann.

Wolfsburger Nachrichten, Seite 30, 09.02.2022