Der MTV Vorsfelde organisiert für Flüchtlingsfamilien einen Tag mit Sport und Spaß in der Moorkämpeschule.

Ukrainische Flüchtlinge waren vom MTV Vorsfelde zum Sport in die Moorkämpeschule eingeladen.

Vorsfelde Dima nimmt Anlauf und springt mit einem Satz auf das Trampolin. Das befördert den Zehnjährigen in einem hohen Bogen in die Luft – dort absolviert er einen Salto und landet dann wieder sicher auf der weichen Bodenmatte. Dima war in seiner Heimatstadt Chmelnyzkyj in der West-Ukraine ein aktiver Judoka und hat sich gerade auf die bevorstehende Meisterschaft vorbereitet, als die Bomben aus dem Himmel fielen. Zusammen mit seiner Mutter Maryna Habai, seinem 15-jährigen Bruder und den beiden über 70 Jahre alten Großeltern ist er nach Deutschland geflohen.

„Er ist sehr glücklich, wenn er hier sein und mit anderen Kindern spielen kann“, weiß Elena Misyura aus Jembke, die die Familie betreut und am Samstag mit den beiden, die in Fallersleben untergebracht sind, in die Sporthalle der Vorsfelder Moorkämpeschule gekommen war. Hier hatte der MTV zum dritten Mal Kinder und ihre Familien zum „Bewegungstag“ eingeladen.

Eine halbe Stunde vor Beginn hatten sich MTV-Vorsitzender Lutz Hilsberg und seine beiden Helfer, Shawn Schneider (19) und Liva Steinhauer (18), die beide das Phoenix Gymnasium besuchen, getroffen, um den Schwebebalken, die Bewegungslandschaft aus verschiedenen hohen Kästen und Weichbodenmatten sowie den Kletterberg aus Stepp-Brettern aufzubauen, die Ringe von der Decke zu lassen und die Bank in die Sprossenwand zu hängen. „Wir wollen vor allem den Kindern die Möglichkeit bieten, mal etwas anderes zu machen, sich abzulenken und sich zu bewegen“, sagt Hilsberg.

Seit Mittwochabend sind Zhanna Zan und ihre achtjährige Tochter Melaniia zu Gast bei Britta Lenßen und ihrem Lebensgefährten Tobias Wendel in Grafhorst. Die beiden kommen aus der Stadt Luzk in der nordwestlichen Ukraine. Als die Ukrainerin berichtet, dass sie ihre drei Söhne und ihren Mann zurückgelassen hat, laufen ihr die Tränen über die Wange. „Hauptsache wir sind in Sicherheit“, schluchzt sie.

Warum sie den Geflüchteten ein Dach über dem Kopf bietet, erklärt Britta Lenßen so: „Ich würde mir auch wünschen, dass mir jemand ein Bett und ein Bad anbietet, wenn mein Land in Schutt und Asche liegt. Außerdem ist unser Haus riesig.“ Weil aber nicht nur das Paar in dem Haus im Landkreis Helmstedt lebt, sondern auch Dr. Watson, ein Golden Retriever, haben sich die Fünf am vergangenen Wochenende erst einmal „beschnuppert“.

„Die Chemie stimmte sofort, jetzt sind Zhanna und Melaniia unsere neuen Familienmitglieder“, versichert Britta Lenßen, die sogleich ein Damen- und ein Kinderfahrrad samt Helmen für die beiden aus der Nachbarschaft organisiert hat. „Wir bauen gerade im Dorf eine Whats-App-Gruppe auf, um uns mit den anderen Familien, die auch Ukrainer aufgenommen haben, zu vernetzen und uns gegenseitig zu helfen und zu unterstützen“, berichtet sie.

Derweil treffen weitere Frauen mit ihren Kindern in der kleinen Turnhalle in der Schlesierstraße ein, und Mama Tanja und ihre Freundin Ljuda, die beide ebenfalls aus Chmelnyzkyj stammen, ziehen die kleine zweijährige Dascha, die vor Begeisterung juchzt, mit dem Rollbrett durch die Halle. „Es ist so schön, was die Deutschen alles für uns machen und heute scheint auch noch die Sonne. Trotzdem wären wir lieber Zuhause. Wir denken jede Sekunde an unsere Freunde und Familien, die wir zurückgelassen haben, und beten für unsere Männer“, erzählen die beiden Freundinnen mit zitternden Stimmen.

Wolfsburger Nachrichten, 25.04.2022, Stephanie Boy