von Babara Benstem/WN/27.06.2026

Wolfsburg. Aus den Vereinen kommt der Wunsch nach mehr Übungsleitern, Schwimmzeiten und Unterstützung durch die Eltern. Die Bürgerstiftung finanziert 20 Schwimmkurse.

Die Wolfsburger Bürgerstiftung spendiert 20 Kindern einen Schwimmkursus. Die Stiftung, die sich in der Vergangenheit bereits fürs Schwimmenlernen finanziell engagiert hat, nimmt dieses Mal den 75. Geburtstag des VW-Bads und 20 Jahre Bürgerstiftung zum Anlass. Die ersten 20 Kinder, die sich bei der DLRG Wolfsburg unter info@wolfsburg.dlrg.de melden, bekommen ihren Schwimmkurs von der Stiftung finanziert. Die Aktion, für die am VW-Bad der Startschuss gegeben wurde, läuft bis zum 19. Juli. Heide Steinke und Jens Kirsch von der Bürgerstiftung unterstreichen: „Schwimmen können ist eine Lebensversicherung.“

Lange Wartelisten beim MTV Vorsfelde und VfB Fallersleben

Wie ist es denn aktuell um die Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen in Wolfsburg bestellt? In der Vergangenheit gab es dieserorts, wie bundesweit, immer wieder die Klage, dass die Wartelisten lang und nicht genug Plätze in den Kursen vorhanden seien. Wir haben bei Vereinen nachgehakt und die Stadt Wolfsburg um eine Stellungnahme gebeten.

„Es wäre schön, wenn die Eltern selbst schon Wassergewöhnung mit ihren Kindern durchführen würden.“

Tanja Blohm, Leiterin der Schwimmabteilung beim MTV Vorsfelde

Tanja Blohm, Leiterin der Schwimmabteilung beim MTV Vorsfelde, schildert: „Unsere Seepferdchen-Warteliste ist zurzeit noch geschlossen, da wir immer noch etwa 60 Kinder auf der Liste stehen haben. Dank eines engagierten Trainerteams können wir seit einem Monat dabei sogar drei Stunden Seepferdchen-Unterricht anbieten.“

Kurszeiten am Nachmittag passen berufstätigen Eltern nicht

Auffällig sei, dass die Spannbreite des „Könnens“ groß sei. „Es gibt mutige Kinder, mit denen wir sofort üben können. Aber dann auch solche, die eigentlich erst einen Kurs in Wassergewöhnung absolvieren müssten, den wir leider nicht anbieten können. Es wäre schön, wenn die Eltern selbst schon Wassergewöhnung mit ihren Kindern durchführen würden“, schildert die Schwimmabteilungsleiterin beim MTV. Und: „Wir bieten die Kurse nachmittags von 15 bis 17 Uhr an. Das passt aber bei vielen Eltern aus beruflichen Gründen nicht. Sie würden gern später kommen. Die späteren Zeiten sind aber für die weiterführenden Kurse, also die für die Schulkinder ausgeschrieben.“

Der MTV versuchte, sich zu helfen, indem er Seepferdchen-Crashkurse in den Sommerferien anbieten wollte. Da hätten die Betreiber von Badeland (GMF) und Hallenbad Sandkamp (Stadt Wolfsburg) aber nicht mitgemacht. „Die Kinder auf den Wartelisten sind teilweise schon im Schulalter“, schildert Tanja Blohm weiter. Das Trainerteam bestehe ausschließlich aus Ehrenamtlichen, die Beruf oder Ausbildung nachgingen. „Alle geben ihr Bestes, bilden sich stetig fort. Sie sind mit ganzem Herzen dabei und würden gern noch mehr Kindern das Schwimmen beibringen.“

Gina Ehlers, beim VfB Fallersleben für die Schwimmausbildung zuständig, berichtet von Wartelisten in dreistelliger Höhe. Seepferdchen: 733 Kinder, Freischwimmerkurse: 352 Kinder. Die Schwimmlehrerin schränkt allerdings ein: „Wir gehen davon aus, dass die Familien ihre Kinder auf mehrere Listen setzen, damit sie am Ende irgendwo einen Platz bekommen.“ Rund 70 Prozent der wartenden Seepferdchen-Kinder seien zwischen 5 und 7 Jahren alt.

Fallersleber Schwimmtrainerin wünscht sich mehr Unterstützung durch die Eltern

Mit Blick auf die Unterstützung durch die Eltern teilt VfB-Abteilungsleiterin Ehlers die Erfahrung ihrer Vorsfelder Kollegin. „Ich würde mir mehr Bereitschaft wünschen, das Schwimmen mit den Kindern eigenständig zu fördern. Es gibt selten zusätzliche Unterstützung parallel zum Kurs.“ Manchen Kindern würden die wöchentlichen Übungsstunden von 30 Minuten nicht ausreichen, um die Schwimmfähigkeit zu festigen.

In den Seepferdchen-Kursen gebe es nicht selten wasserscheue, ängstliche Kinder. „Im Freischwimmerkursus ist es in den ersten Wochen die fehlende Schwimmtechnik. Erfahrungsgemäß nimmt jeder Anbieter das Seepferdchen zu unterschiedlichen Bedingungen ab.“ Gleichzeitig möchte Abteilungsleiterin Ehlers aber diejenigen Eltern und Familien hervorheben, deren Kinder mit guter Wassergewöhnung in die Kurse kämen und sich im nassen Element wohlfühlten. Alles in allem könnten mehr Kurse angeboten werden, wenn es mehr Kursleiter gäbe. Den Rettungsschwimmer zu absolvieren und immer wieder zu erneuern, sei für viele eine Hürde, bedauert Gina Ehlers.

63 Prozent der Wolfsburger Grundschüler haben ein Jugendschwimmabzeichen

Und wie blickt die Stadt Wolfsburg auf die Schwimmfähigkeit der Kinder? Sind ausreichend Wasserflächen und Übungszeiten vorhanden? Die letzte Erhebung fand Ende des Schuljahres 2024/25 statt, heißt es aus dem Rathaus. „Abgefragt wurde pro Kind das höchste erworbene Schwimmabzeichen – unabhängig davon, ob das Abzeichen im schulischen Unterricht oder im privaten Umfeld erworben wurde“, teilt Jan-Niklas Schildwächter für die Verwaltung mit. „Die Rückmeldungen der Wolfsburger Schulen ergaben einen Rückgang beim Erwerb der Abzeichen. Allerdings haben vier Schulen an der Erhebung nicht teilgenommen.“

Bei den teilgenommenen Schulen hätten 63 Prozent der Wolfsburger Schulkinder beim Verlassen der Grundschule ein Jugendschwimmabzeichen (Bronze, Silber, Gold) erlangt. „Somit gelten sie gemäß den Kriterien der DLRG als sichere Schwimmer“, erläutert Schildwächter. 2022 seien es 71 Prozent gewesen. „Es ist eine Verschlechterung. Die Zahl liegt aber immer noch über dem bundesweiten Durchschnitt von 42 Prozent“, verweist Schildwächter auf eine diesbezügliche DLRG-Studie. Mindestens das Seepferdchen hätten 79 Prozent der Wolfsburger Kinder in der vierten Klasse erlangt. Im Bundesvergleich seien es 54 Prozent.

Stichwort Wasserflächen: „Derzeit stehen für den curricularen Schulschwimmsport wie auch für den Vereinssport ausreichend Wasserflächen zur Verfügung“, so Schildwächter. „Mit Blick auf die kommenden Jahre arbeitet die Stadt Wolfsburg daran, die Wasserflächen und die Bäderinfrastruktur bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und langfristig zu sichern.“