Warum die Verantwortlichen von MTV Vorsfelde, VfB Fallersleben und Co. Kritik an den neuen Wiederaufnahme-Modi des Landesverbandes äußern.

Der HVN hat Pläne, wann der MTV Vorsfelde und Co. wieder spielen könnten. Archiv

Wolfsburg Geht’s im Januar schon weiter mit dem Liga-Spielbetrieb? Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) hat den Vereinen konkrete Vorschläge gemacht, wie die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den Ober-, Verbands- und Landesligen aussehen kann. Am Samstag sollen sich Vereinsvertreter in einer Video-Konferenz zu den Vorschlägen äußern. Bei den Wolfsburger Klubs hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Einen Monat ist es nun her, dass die letzten Spiele in den Handball-Oberligen haben stattfinden können. Seitdem sind die Sportler im Lockdown: Es findet weder reguläres Training statt, noch dürfen sich die Teams in Kleingruppen treffen und gemeinsam an ihrer Fitness arbeiten. Bis mindestens Ende Dezember wird sich daran nichts ändern. Doch besteht die Hoffnung, zumindest beim HVN, dass es im Januar zurück in die Hallen geht.

Die vom Verband eingerichtete „Task Force Spielbetrieb“ hat gestern die Planungen des HVN kommuniziert. Die Handball-Funktionäre setzen alles dran, die Saison 2020/21 doch noch stattfinden zu lassen. Das Bemühen kommt bei den Vereinen gut an. „Ich finde es toll, dass sich der HVN Gedanken macht und Vorschläge ausgearbeitet hat“, betont Uwe Wacker, Sportlicher Leiter von Oberligist VfB Fallersleben.

Auch dass die Klubs in die Entscheidungsfindung eingebunden werden sollen, sehen die Vereinsverantwortlichen positiv. „Die Vereine zu befragen, ist genau richtig“, sagt Marius Thiele, Mannschaftsführer des MTV Vorsfelde. Am Samstag dürfen die Vereine zu den nun veröffentlichten Vorschlägen Stellung beziehen.

So hoch es den HVN-Funktionären auch angerechnet wird, die Vereine einzubinden – das Feedback zu den Verbands-Planungen wird eher negativ ausfallen. „Ich kann damit sehr wenig anfangen“, sagt Wacker. Die Dreiteilung der Männer-Oberliga sei sehr schwer zu planen. Wacker: „Nach welchen Kriterien soll das geschehen? Wer teilt die Staffeln ein?“ Sollte die Einfachrunde gespielt werden, droht den Fallerslebern, eine Saison mit elf Auswärtsfahrten. „Der Spielplan ist für uns ganz ungünstig“, merkt Wacker an.

Auch in Vorsfelde sieht man die Vorschläge kritisch. „Es passt zeitlich alles nicht“, erklärt MTV-Teammanager André Frerichs. „Das wird zu knapp.“ Bis Juli will der Verband spielen lassen – vorausgesetzt es kann im Januar gestartet werden. „Unsere Spielerverträge laufen bis Ende Juni. Wie es dann weitergeht, ist offen“, sagt Frerichs. Vier Vorsfelder haben auslaufende Verträge.

Doch selbst dann, wenn die Planungen wohl überlegt geraten, bleibt die Umsetzung. Am 16. Januar soll es bereits weitergehen. „Das ist unrealistisch“, betont Wacker. Frerichs sieht das genauso: „Ich sehe uns im Januar nicht Handball spielen.“ Thiele erklärt: „Wer die Entwicklungen verfolgt, muss sich eingestehen, dass wir im Januar sehr wahrscheinlich noch keinen Handball spielen können.“ Zumal die Teams einen Kaltstart hinlegen müssten. Zwei Monate Pause hätten die Handballer hinter sich. Über Weihnachten und Silvester ist Training schwer zu organisieren. „Wir bräuchten vier Wochen Vorlauf, um eine ordentliche Vorbereitung absolvieren zu können“, sagt Frerichs.

Die Wolfsburger Verantwortlichen sind sich einig: „Wir brauchen Planungssicherheit. So macht es keinen Spaß. Es bringt niemandem etwas, die Saison durchzuprügeln“, sagt Wacker. Der Blick richtet sich in Fallersleben und Vorsfelde eher auf die kommende Spielzeit. „Es wäre sinnvoll, so zu planen, dass die Saison 2021/22 geregelt starten kann“, sagt Thiele.

Wolfsburger Nachrichten, Seite 26, 24.11.2020