Der ehemalige Spitzenjudoka Alexander von der Groeben kommentiert die Auftritte der Lessienerin in Doha – Perfekter Uchi Mata

Starker Auftritt beim Judo-Masters: Giovanna Scoccimarro (r.) gewann in Doha zum Start ins Olympia-Jahr Bronze und hat das Tokio-Ticket fest in der Hand.Foto: IJF

Doha. Sie hat ihr Olympia-Ticket nach dem Bronzemedaillen-Gewinn beim Judo-Masters in Doha fest in der Hand. Der Auftritt der Lessienerin Giovanna Scoccimarro vom MTV Vorsfelde begeisterte auch eine Judo-Legende großer Wolfsburger Zeiten: Eurosport-Kommentator Alexander von der Groeben.

Scoccimarro stand in der 70-Kilogramm-Klasse in Katar auf der Matte, von der Groeben, in den 80ern und 90ern Spitzenjudoka beim vielfachen deutschen Mannschaftsmeister VfL Wolfsburg, kommentierte wie gewohnt die Eurosport-Übertragungen. Er ist ein Kampfsport-Experte, kommentierte und moderierte für verschiedene Sender, war selbst Judo-Olympia-Teilnehmer. An Scoccimarro hatte er im vergangenen Frühjahr schon keine Zweifel, sondern festgestellt: „Sie ist in Deutschland die Stärkste ihrer Klasse.“ Sein Fazit für Doha: „Nach diesem Masters ist sie die ganz klare Olympia-Kandidatin.“

Nach dem EM-Aus vor Kurzem gleich in der ersten Runde hatte die in Hannover lebende Scoccimarro sofort die richtige Antwort parat. Ihre ärgste Konkurrentin Miriam Butkereit (TSV Glinde) kam in Doha nicht über ihren ersten Kampf hinaus. Von der Groeben urteilt: „Von der Kraft und Ausdauer her ist Giovanna absolut top, körperlich so stark ist Butkereit nicht.“

Was von der Groeben nach Scoccimarros EM-Auftritt samt frühem Aus gefiel: „Diesmal ist sie ganz anders auf die Matte gekommen, man hat gemerkt, sie hatte diese Haltung: ,Das lasse ich mir nicht wegnehmen.’“ Der als Judo-Graf bekannt gewordene Kommentator meinte sogar, es hätte etwas mehr drin sein können. Gegen Sanne van Dijke wäre auch ein Sieg möglich gewesen. Gegen die Niederländerin hatte Scoccimarro im Poolfinale verloren, musste dadurch in die Trostrunde und hatte keine Chance mehr auf Gold oder Silber.

Diese Niederlage könnte auch am niederländischen Frauen-Trainer gelegen haben. Von der Groeben: „Michael Bazynski war lange beim Deutschen Judo-Bund Trainer, er kennt die Deutschen natürlich ganz genau.“ Technisch sieht der Experte noch Potenzial bei der Lessienerin: „Ihre Techniken, den Uchi Mata und den O Uchi Gari, kann sie sehr gut, allerdings fehlt ihr noch ein wenig die Alternative, wenn sie damit mal nicht durchkommt.“ Aber er ahnt auch: „Sie wird daran arbeiten, noch variabler zu werden, um Gegnerinnen auch mal überraschen zu können.“

Die Judo-Klasse der 23-Jährigen begeisterte den Routinier aber: „Ihr Uchi Mata gegen Alice Bellandi war wunderbar, eine so perfekte Ausführung sieht man selten.“

Wolfsburger Allgemeine, Seite 32, 15.01.2021