WOLFSBURG.  Vertreter der Wolfsburger Sportvereine kommen digital zusammen und sprechen über die lokalen Auswirkungen der Corona-Pandemie

Welche Auswirkungen haben die coronabedingten Einschränkungen auf den gemeinnützigen Sport und den Sportbetrieb der Stadt Wolfsburg? Das Thema stand am Dienstagabend im Mittelpunkt einer Online-Informationsveranstaltung. An jener nahmen neben Sportdezernentin Monika Müller und Geschäftsbereichsleiter Reiner Brill die Vertreter der Wolfsburger Vereine, des Stadtsportbunds um Ursula Sandvoss und Bernd Rumpel sowie die Sportausschussmitglieder Werner Reimer, Ingolf Viereck, Melissa Koch und Jens Kirsch teil.

Der Abend beleuchtete zwei Aspekte: Die (finanzielle) Situation der Vereine sowie die Folgen für das individuelle, sportliche Verhalten. Speziell psychosoziale und motorische Nachwirkungen für alle Generationen – vom Kinder- und Jugendsport bis hin zu Reha-Bewegungskursen. Brill präsentierte zu Beginn eine Befragung durch seinen Geschäftsbereich, zu deren Ergebnissen insgesamt 20 kleinere Vereine sowie die mitgliederstärksten großen vier, also der MTV Vorsfelde, der VfB Fallersleben, der VfL Wolfsburg und der TV Jahn, beigetragen haben.

Mitgliederschwund bei fast allen Vereinen in Wolfsburg

Das Fazit lässt sich so ziehen: Fast alle Vereine verzeichnen einen Mitgliederschwund, die größte Stabilität in der bisherigen Struktur zeigte sich in den Ortsteilen. Das Engagement der Ehrenamtlichen ist nach Einschätzung der Vereinsführungen nach wie vor hoch und wird es der Prognose nach bleiben. Was die Finanzen der befragten Clubs angeht, äußerte Brill: „Es besteht noch keine finanzielle Existenznot.“ Noch nicht, das wurde während der Untersuchung auch deutlich. Denn um den (Vereins-)Sport in Wolfsburg wieder in die Vor-Corona-Spur zu bringen, müssten die Einschränkungen spätestens im Frühjahr ein Ende haben.

Was die Auswirkungen auf spezielle Gruppen anbetrifft, so hatte der Kinder- und Jugendsport mit am meisten zu leiden. Die sozialintegrative Kraft des Sports fehlt hier besonders, weil gemeinsames Mannschaftstraining, zum Beispiel beim Fußball, seit Monaten nicht mehr stattfinden kann. Die Einschätzung von Viereck nach den Ausführungen von Brill: „Wir sind in Wolfsburg noch glimpflich davongekommen.“ Müller warnte allerdings: „Es wird noch ein langer Weg durch die Krise, nicht nur für die Vereine, sondern für den Sport allgemein.“

Forderung: Reha-Sport muss nach Pandemie einen der höchsten Prioritätsgrade haben

Sportausschussvorsitzender Werner Reimer stellte die Frage: „Welche Sportarten sind besonders negativ betroffen?“ Dennis Bauch (TV Jahn), seit 25 Jahren Trainer im Schwimmsport, zeichnete ein düsteres Bild: „Uns hat die Abwärtsspirale voll getroffen. Es zerreißt mir das Herz.“ Er ist dennoch optimistisch, nach Corona eine Wende einzuleiten. Kirsch rückte den Gedanken in den Blick: „Reha-Sport muss nach der Pandemie einen der höchsten Prioritätsgrade haben.“ Eine Antwort, die Siegfried Leu aus Wendschott erfreut haben dürfte, lieferte Brill. Auf die Frage, ob Übungsleiterpauschalen und Zuschüsse für vereinseigene Anlagen gekürzt würden, sagte er: „Selbstverständlich nicht!“

Wolfsburger Nachrichten, 10.02.2021