Judoka Scoccimarro ist Niedersachsens Beste.
Giovanna Scoccimarro aus Vorsfelde gehört zu den besten deutschen Judoka.                                              Imago images/Revierfoto
Giovanna Scoccimarro aus Vorsfelde gehört zu den besten deutschen Judoka. Imago images/Revierfoto

Vorsfelde Diese Meldungen gingen kurz vor Ostern durch die Medien. Der Schwimm-Weltverband sagte eine Olympia-Qualifikation der Wasserspringer auch deshalb ab, weil er die Corona-Schutzmaßnahmen in Tokio für unzureichend hielt. Der Deutsche Judo-Bund zog seine Athleten von einem wichtigen Turnier in Tiflis ab, weil es zuvor in einem internationalen Trainingslager zahlreiche Corona-Fälle gab.

Giovanna Scoccimarro war davon auch betroffen. Die deutsche Judo-Hoffnung, die am Olympiastützung Hannover trainiert und für den MTV Vorsfelde in Wolfsburg kämpft, flog an einem Mittwoch nach Georgien und am Samstag nach mehreren Corona-Tests gleich wieder zurück. Die Junioren-Weltmeisterin von 2017 kennt die Risiken („Wir sind eine Kontaktsportart. Bei wenigen Sportarten kommt man sich so nah wie bei uns“). Und sie kennt auch alle Fragen, die sich daraus ergeben: Wie will man mitten in einer Pandemie möglichst gefahrlos ein Großereignis wie Olympische Spiele organisieren? Und wie bereitet man sich über Monate auf den wichtigsten Wettbewerb seiner Karriere vor, wenn man nicht genau weiß, ob der überhaupt stattfindet?

Scoccimarro antwortet darauf trotz Tiflis und trotz des Virus: „Ich hoffe einfach nur: Die Spiele finden statt. An etwas anderes möchte ich gar nicht denken“, sagte sie. „Die Wettkämpfe, die Reisen, die strengen Corona-Regeln für uns Sportler: Das ist einfach der Weg, den ich gehen muss, um mir meinen Traum zu erfüllen. Und das sind die Olympischen Spiele.“

Die 23-Jährige ist nicht ignorant. Sie ist ehrgeizig, fokussiert – ohne diese Eigenschaften könnte sie auf diesem Niveau nicht kämpfen. „Ich kann alle Bedenken verstehen“, sagte Scoccimarro. „Es ist absolut verständlich, wenn jemand sagt: Die trainiert mit 20 anderen Athleten auf einer Matte, und ich muss genau abzählen, ob ich meine Tante, meine Schwester oder meine Schwiegereltern treffe.“

Aber sie sagt auch: „Ich liebe meine Sportart. Olympische Spiele erlebt man vielleicht nur Once in a lifetime. Du kannst es einmal schaffen – und vielleicht danach nie wieder. Ich will auch 2024 und 2028 dabei sein. Aber es kann eben auch sein, dass das nicht klappt. Dann schaut man später zurück, weiß genau, dass man sich einmal qualifiziert und alles dafür gegeben hat – und ausgerechnet diese Spiele fanden nicht statt. Dieser Gedanke ist doch frustrierend.“

Für Scoccimarro waren die vergangenen 13 Monate als Athletin ein ständiges Auf und Ab. Erst im März 2020 wurde sie zum ersten Mal in ihrer Laufbahn für die Olympischen Spiele nominiert. Nur drei Wochen später wurden die erst einmal abgesagt.dpa

Wolfsburger Nachrichten, Seite 28, 08.04.2021