Handball-Oberliga: Vorsfelde mit zwei Heimspielen am Stück – Am Samstag kommt Plesse-Hardenberg

Längst ein Vorsfelder: 2013 wechselte Marius Thiele als Youngster (kl. Bild) zum MTV, seit der vergangenen Saison ist er nun Kapitän.fotos: B. Schulze/R. Hermstein

Maik Schulze

Vorsfelde. Kapitän beim Handball-Oberligisten MTV Vorsfelde ist Marius Thiele seit August 2020, doch weil Corona die vergangene Saison schnell zum Erliegen brachte, hat er die Binde seitdem erst sechsmal getragen. Angekommen in seinem neuen Amt ist er aber längst, hat auch abseits des Parketts tatkräftig mitgeholfen, dass die Razorbacks nach dem Umbruch zu einem Team zusammengewachsen sind. Und dieses Team hat nun zwei Heimspiele vor der Brust. „Wir wollen uns mit dem Punkt aus Söhre im Rücken jetzt oben festbeißen“, sagt der 31-Jährige. Am Samstag (18.30 Uhr) gibt’s gegen die HSG Plesse-Hardenberg dafür die erste Chance.

Das 31:31 bei den Sportfreunden hat die Vorsfelder zusätzlich euphorisiert. „In der Liga hat niemand damit gerechnet, dass wir beim Aufstiegsfavoriten Nummer 1 einen Punkt holen“, sagt Thiele, der zu denen gehörte, die sich angeschlagen in den Dienst der Mannschaft stellten. Jetzt sei die Auftaktniederlage in Hameln („Da haben wir ein schlechtes Spiel gemacht“) doppelt ärgerlich. „5:1 Punkte würden noch cooler aussehen“, sagt der 31-Jährige, blickt aber gleich nach vorn. Vier Punkte gegen Plesse-Hardenberg und den darauffolgenden Gegner HF Helmstedt-Büddenstedt würden die Bilanz aufhübschen.

Ausgerechnet gegen Plesse stand Thiele vor fast genau einem Jahr erstmals als Kapitän auf dem Platz. Es war eines von drei Spielen, die stattfanden, ehe die Saison annulliert wurde. Dass Trainer Daniel Heimann ihn als Nachfolger im Amt von Pascal Bock (Karriereende) haben wollte, hat den 31-Jährigen geehrt. „Ich habe mit Michael Schwoerke, Sascha Kühlbauch und zuletzt Bocki einige Kapitäne erlebt. In diesen Kreis aufzusteigen, zeigt mir, dass ich in den letzten Jahren etwas richtig gemacht habe.“

Denn aus dem Jungen, der in Lelm mit dem Handballspielen begann und dann 2013 aus Warberg zum MTV gewechselt war, ist längst ein Vorsfelder geworden. Selbst zwei Stippvisiten in Hamburg haben den Kontakt nie abreißen lassen. Er wurde nach seiner Rückkehr wieder zur Stammkraft, jetzt zum Kapitän. In einer wichtigen Phase. Der Umbruch war groß, viele junge Spieler stießen zum Team. „Da mitzuhelfen, dieses neue Team anzuführen, mit auf die richtige Straße zu bringen“, das reize ihn sehr.

Und es läuft auf dem Feld – weil es auch außerhalb passt. Da wird dann auch mal gemeinsam auf einem Spielplatz Sand geschaufelt oder das Oktoberfest eines Unterstützers besucht. Themen außerhalb des Handballs zu haben, das helfe „beim zusammenwachsen“. Die Stimmung passe, „jeder liegt eigentlich mit jedem auf einer Wellenlänge“.

Auf dem Feld will Thiele Vorbild sein: „Ich möchte den Jungs zeigen, in welche Richtung es gehen soll, dass da immer der unbändige Wille ist, dieses Spiel zu gewinnen.“ Er selbst sei nämlich ein „ganz, ganz schlechter Verlierer“. Das gelte selbst für den Aufwärm-Kick. Gehört er nicht zu den Gewinnern, „ist meine Laune im Keller. Genauso ist es auf dem Spielfeld.“

Das Handball-Gen wurde ihm in die Wiege gelegt. Vater Jürgen hat mit Warberg in der 3. Liga gespielt, war und ist erfolgreicher Trainer, auch schon in Vorsfelde, wo er aktuell Heimann als Co. unterstützt. Auch Mutter Sabine hat eine Handball-Vergangenheit. Marius’ Bruder Janis ist gleichzeitig Teamkollege, Schwester Kim spielt ebenso. „Ich habe als Kind aber trotzdem alles ausprobieren dürfen.“ Turnen, Badminton, dann rangen lange Fuß- und Handball um seine Gunst, er entschied sich für letzteres. „Mein Ziel war es immer, wie Papa in der 3. Liga zu spielen“, verrät Thiele. Dass Vorsfelde dann 2013 nach seiner Zusage direkt den Sprung in die Drittklassigkeit geschafft hatte, „war sehr, sehr cool. Auch, wenn es nur für ein Jahr war. Ich blicke sehr gern auf diese Zeit.“

Stichwort Zeit. Neben Handball und Beruf bleibt nicht viel Raum für Hobbys. Zumal zuletzt der Hausbau in Süpplingen anstand. Seit Ende März lebt Thiele nun im neuen Domizil mit Freundin Nina Tomkowiak. Und seit knapp zwei Wochen sind die beiden zu Dritt. Havaneser-Rüde Bo ist eingezogen. „Er hält uns zurzeit ganz schön auf Trab, muss erst einmal alles erkunden“, berichtet Thiele.

Neuer Hund, neues Haus, neue Rolle als Kapitän – über Abwechslung kann sich der 31-Jährige zurzeit nicht beschweren. Die darf es gern in Zukunft auch in Sachen Ligen-Zugehörigkeit geben. Wenn eines Tages mit Vorsfelde der erneute Aufstieg in die 3. Liga gelänge, Thiele hätte nichts dagegen.

Übrigens: Sollte sich dieser Traum erfüllen – für Erinnerungsstücke kann der Produktmanager für Münzen und Medaillen sorgen. „Das könnte ich natürlich anleiern“, sagt Thiele schmunzelnd. „Aber um ganz oben zu stehen, müssen wir erst einmal noch eine Schippe drauflegen.“

Der VfB Fallersleben reist in der Oberliga am Samstag (17.30 Uhr) zum sieglosen TV Jahn Duderstadt. In der 3. Liga geht es für Schlusslicht VfL Wolfsburg am Samstag (18 Uhr) zum Tabellenzweiten LIT TRIBE 1912 – ohne Karla Hoppe. Die Torfrau verlässt Wolfsburg wie angekündigt in Richtung Hessen.

Wolfsburger Allgemeine, Seite 32,