Der Wechsel von Bert Hartfiel (am Ball) vom MTV Vorsfelde zum VfB Fallersleben sorgt für Unstimmigkeiten

VORSFELDE.  Dass der Top-Handballer den MTV Vorsfelde verlässt und zu Stadtrivale VfB Fallersleben wechselt, sorgt für Unstimmigkeiten zwischen den Klubs.

Fakt ist: Bert Hartfiel wird fortan für den VfB Fallersleben auflaufen. Der Top-Handballer wechselt vom MTV Vorsfelde zum Oberliga-Rivalen in die Hoffmannstadt. In Vorsfelde hatte man mit Hartfiel geplant. Der Abgang kam für den MTV wie aus heiterem Himmel – und sorgt für Zündstoff.

Anfang des Jahres schon hatte Vorsfeldes Sportlicher Leiter André Frerichs die ersten Gespräche geführt und ausgelotet, wer bleibt, wer geht, wer noch abwarten will. Im März stand der Kader: Einzig Thorben Günther würde die Vorsfelder verlassen. Der lange Abwehrspezialist zieht studienbedingt weg aus der Region. Alle anderen Vorsfelder sicherten Frerichs zu, ihre Verträge zu verlängern.

Vorsfeldes Coach: „Bert hat uns zugesagt“

Auch Hartfiel, betont Frerichs. MTV-Trainer Daniel Heimann erklärt: „Bert hat uns zugesagt.“ Handball-Chef Michael Schwoerke und Teammanager Frerichs führten die Verhandlungen mit dem Rückraumspieler. „Wir hatten uns im März auf eine Vertragsverlängerung mit Bert geeinigt“, berichtet Frerichs. Einen Vertrag hatten die Parteien nicht aufgesetzt.

Aufgrund der Pandemie sei zu vieles in der Schwebe gewesen, so Hartfiel. „Es war damals noch völlig offen, wie es weitergeht“, erklärt der Linkshänder. „Ich habe dem MTV mitgeteilt, dass Vorsfelde die erste Option für mich ist. Aber eine Zusage habe ich nicht gegeben.“

Gespräche mit dem VfB „kein Geheimnis“

Hartfiel führte parallel Gespräche mit Fallersleben. Zu VfB-Coach Mike Knobbe hatte der 31-Jährige immer Kontakt. „Der MTV wusste, dass ich mit Mike spreche. Das war kein Geheimnis“, betont Hartfiel. Die Rahmenbedingungen in Fallersleben sagten dem Linkshänder immer mehr zu. „Mir wurde der Aufwand in Vorsfelde zu hoch. Der Verein will in die 3. Liga. In Fallersleben sind die Ansprüche geringer“, sagt Hartfiel. „Ich will sportlich kürzertreten. Und da passt das Gesamtpaket beim VfB eher.“

MTV-Coach Heimann lässt drei Mal wöchentlich trainieren. „Ein normales Pensum in der 4. Liga“, erklärt der Trainer. Hartfiel, der in der Jugendakademie des SC Magdeburg ausgebildet wurde und über zwei Jahrzehnte seine Freizeit in der Halle verbrachte, will nun andere Prioritäten setzen.

Vorsfelde vermisst die Transparenz

Hartfiels Entschluss, in Fallersleben zu unterschreiben, fiel erst kürzlich. „Das kam völlig überraschend. Bert hat nie Wechselgedanken kommuniziert, schien nicht unzufrieden“, sagt Heimann. Hartfiels Beweggründe seien nachvollziehbar, erklärt MTV-Sportchef Frerichs. Doch damit, wie der Wechsel zustande kam, sei man unzufrieden.

Von Vorsfelder Seite hätte man sich mehr Transparenz gewünscht. „Wir haben es mit dem VfB immer so gehalten, dass wir auf Funktionärsebene sprechen, bevor wir an Spieler des anderen Vereins herantreten“, sagt Frerichs. „Der Wechsel von Sascha Kühlbauch lief absolut sauber ab. Die Fallersleber haben uns über ihr Interesse informiert und wir haben uns auf die Transfermodalitäten geeinigt.“

Wacker: Hartfiel „vertragsfreier Spieler“

Uwe Wacker, Fallerslebens Sportlicher Leiter, hält dagegen: „Die Wechsel von Kühlbauch und Hartfiel sind nicht vergleichbar. Kühlbauch hatte einen Vertrag, war an den MTV gebunden. Hartfiel ist ab dem 30. Juni ein vertragsfreier Spieler.“ Mit dem habe man als VfB verhandeln dürfen. „Der MTV hatte es selbst in der Hand, hätte den Vertrag mit Bert Hartfiel verlängern können“, erklärt Wacker. „Ich wusste nichts von Absprachen, kenne keine MTV-Interna. Für uns war Bert Hartfiel ein freier Spieler.“

Wenn sich die Gemüter beruhigt haben, wird sich der MTV nun der Suche nach Ersatz widmen. Denn: Nur schlecht muss der Abgang des immerhin 31-Jährigen nicht sein. Die zwei Seiten der Medaille – der Medaille, die der Wechsel von Hartfiel vom MTV zum VfB darstellt – sind für die Eberstädter diese: Einerseits ist der Topspieler weg. Ein Typ, auf den Verlass war, der Vorsfelde über sieben Jahre hinweg mitgeführt und angetrieben hat, der vereinsintern nicht zu ersetzen ist. Andererseits ist der Topverdiener weg. Es schafft finanziellen Spielraum, einen der höchstdotierten Verträge auslaufen zu lassen. Der MTV kann sich eine Shopping-Tour auf dem Transfermarkt leisten – und steht am Ende womöglich sogar besser und verjüngt da. „Wir schauen uns um, wollen uns auch Halbrechts nicht verschlechtern und mindestens gleichwertigen Ersatz holen“, betont Frerichs. Die Suche hat begonnen.

Wolfsburger Nachrichten, 25.06.2021